Radrennen

Race Across Italy 2026

Letztes Update: 21. April 2026

Heuer habe ich mich wieder für das Race Across Italy (RAI) angemeldet. Das Rennen führt über 775 km und 10.500 Höhenmeter von Silvi, einem kleinen Ort an der Adria, knappe 15 km nördlich von Pescara, quer über den Apenin, durch L‘ Aquila, Avezzano nach Formia am Tyrrhenischen Meer und dann über Teano und Piedimonte Mantese zurück an die Adria nach Silvi. Der Start wird am 1. Mai sein. Ich trainiere bereits seit Oktober darauf hin. Über Weihnachten waren wir in Sardinien, in Villasimius, um genau zu sein. Dort hatte ich die Gelegenheit, einige wunderschöne und lange Ausfahrten zu machen. Ansonsten: Heuer ist der Winter ungewohnt streng, seit wir zurück sind war ich erst einmal draußen fahren, der Rest passiert leider immer noch auf der Rolle (und ich kann Indoortraining nicht ausstehen).

Ein neues Rad

Am 9. November war es so weit: Ich habe mein neues Fahrrad bei Christian Pfannberger abholen können. Es ist bordeauxrot mé­tal­li­sé, unglaublich leicht und ich habe mich drauf auf Anhieb wohl gefühlt. Es ist ein Specialized Aethos Pro2 mit Shimano Ultegra DI2.

Bikefitting

Am 26. November war ich zum Bikefitting bei Andreas Giglmayr am Wallersee. Andreas hat sich viel Zeit für mich genommen und mich und meine Bewegungs(un)fähigkeit genau getestet und vermessen, bevor er mich überhaupt aufs Rad gesetzt hat. Und dann haben wir noch so Vieles probiert. Das Ergebnis sind, von den üblichen Einstellungen am Rad abgesehen, Einlagen für die Radschuhe und kürzere Kurbeln, was dazu führt, dass ich die Knie beim Treten gerade halten kann und nicht mehr nach außen kippe. So hoffe ich, den Knieschmerzen, die mich 2024 ausgebremst haben, zu entgehen. In der neuen Position fühle ich mich jedenfalls jetzt schon sehr wohl.

Training

Ich trainiere heuer nach einem Plan, den eine KI bei Join für mich macht. Idealerweise komme ich auf 4-5 Trainingseinheiten pro Woche. Leider war ich jetzt (9. Feber) zwei Wochen verletzt und habe danach zu allem Überfluss auch noch Grippe bekommen, ich hoffe, dass ich morgen wieder ganz fit bin.

Seit Jänner gibt es wieder das Krafttraining meines Radvereins, Laterne Rouge im Kraftraum des ASKÖ AK Traiskirchen. Karin, eine sehr erfahrene Athletin und Trainerin, quält ins dort mit Kettlebells, Hanteln, Sandsäcken, Medizinbällen und jede Menge an gymnastischen Übungen, die unsre Kraftfähigkeiten in Rumpf und Beinen steigern sollen. Ich bin Christian Malina, unsrem Obmann und Sponsor, sehr dankbar für die Chance. Überhaupt fühle ich mich in dem Verein, dem ich seit etwas über einem Jahr angehöre, äußerst wohl. Der Verein engagiert sich übrigens laufend sozial und spendet Geld an Organisationen wie Changes for Women (Frauen in Notsituationen) oder Herz bewegt (Herz-Kreislauferkrankungen).

14. März, Jan Ulrichskirchen Trophy

Die Jan Ulrichskirchentrophy ist eine Ausfahrt in einem kleinen Ort, etwas nördlich von Wien. Ich wollte sie für eine erste Überprüfung meiner Form nutzen. Außerdem wollte ich probieren, was passiert, wenn ich Anstiege etwas schneller als „günstig“ fahre.

Die Regeln sind einfach, ein Rundkurs mit etwas über 19 Kilometern und knapp 300 Höhenmetern wird ab 9 Uhr morgens befahren. Die letzte Runde muss vor 16 Uhr begonnen werden. Es ist kein eigentliches Rennen, aber die schnellste Runde und die meisten gefahrenen Runden werden am Ende prämiert.

Ich bin die ersten drei Runden für meine Verhältnisse extrem schnell gefahren, zeitweise war ich sogar in Führung. Nach vier Runden hatte ich Krämpfe und musste deutlich langsamer werden. Die Krämpfe haben mich dann den Rest des Tages begleitet. Am Ende habe ich 9 Runden, also etwas über 160 km geschafft, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25,4 km/h und einer durchschnittlichen Leistung von 189 W. Meinen persönlichen Leistungsrekord für zwei Stunden konnte ich geringfügig, den für fünf Stunden deutlich steigern. Der erste Test ist mir also gelungen!

Sowaoh die schnellste Runde, als auch die meisten Runden, hat mein Vereinskollege Andi geschafft. Eine unglaublich starke Leistung!

Am Ende war ich der älteste Teilnehmer (Rotwein) und der, mit den zweitmeisten Runden (Weißwein)

Die endgültige Strecke

Heute morgen ist ein Mail vom RAI mit den GPS-Files für endgültige Strecke angekommen. Nach den Erdrutschen im März war klar, dass Start und Ziel heuer nicht in Silvi Paese (dem alten Ort, ca. 240 m über dem Meer) sein wird, denn die Zufahrtsstraße existiert nicht mehr. Mir war aber nicht klar, wie in diesem Bereich die Streckenführung sein würde. Wir starten an der Küste in Silvi Marina und klettern sofort nach Silvi Paese hinauf. Damit beginnt das Rennen also mit einem 5 % Anstieg, insgesamt ca. 400 m.

Bereits gestern ist die Starterliste gekommen. Mein Start ist relativ früh, ich beginne gleichzeitig mit noch drei anderen Fahrern um 9:16:30. Ich werde dann noch 26 Fahrer (von insgesamt 86, davon acht Frauen) vor mir haben. Ein früher Start bedeutet natürlich, dass ich relativ lange bei Tageslicht fahren kann. Heuer wird übrigens sehr rasch gestartet, alle kommen binnen einer Stunde auf die Straße, das war vor zwei Jahren völlig anders, damals war der Start am Abend und die Startprozedur hat sich über viele Stunden hingezogen.

Sorgen bereitet mir der Wetterbericht. Für Samstag 1. Mai bis Montag 3. Mai ist für Silvi jeden Tag Regen angesagt. Und Regen bedeutet, dass es kalt und grausig zum Radeln sein wird. Einziger Trost: Für die Westseite Italiens (und für L’Aquila, das liegt irgendwo dazwischen) ist der Wetterbericht deutlich besser, dort soll sich die Sonne mit Wolken abwechseln, Regen scheint, stand heute, nicht oder nur in geringfügigen Mengen dabei zu sein. Zum Glück sind es noch ein paar Tage hin, vielleicht kommt es nicht so schlimm, wie es heute klingt.

Am Freitag geht es jedenfalls los, erst nach Venedig, dann weiter nach Silvi. Ich freue mich schon sehr darauf!

30. April

Wir sind seit vergangenen Samstag in Silvi. Bisher war das Wetter perfekt schön, aber ein bisschen zu heiß. Gestern Abend ist eine Kaltfront mit Regen über das Land gezogen, langsam wird es wieder besser, morgen, beim Start, soll es wieder perfekt sein, aber nicht so heiß, wie in den letzten Tagen. Ich freue mich aufs Rennen!

Ausflug ins Hinterland

Am Freitag waren wir in Venedig. Zum ersten Mal seit fast 40 Jahren. Am Samstag sind wir dann in Silvi angekommen. Wir haben ein paar Wanderungen gemacht, es war sehr schön, ich bin ein bisschen geradelt. Natürlich war die Intensität gering, ich will mich ja nicht abschießen. Für heute Nachmittag hab ich noch eine knappe Stunde ausradeln geplant.

Lisi und ich in Silvi Paese, 29. April

Am Nachmittag muss ich Proviant kaufen gehen und dann in den Startbereich zur Anmeldung, um 18 Uhr gibt es die letzten Anweisungen. Ich fühle langsam, dass ich nervös werde.

Natürlich muss ich heute noch das Rad vorbereiten. Ich werde einen Daunenanorak, eine warme Überhose, warme Handschuhe und Neoprenüberschuhe für die Nacht mitnehmen, zwei Akkus, eine Menge an Lampen, damit ich nachts was sehe und viel zum Essen! Beim vorletzten Mal habe ich erst am Renntag alles finalisiert und prompt die Wasserflaschen vergessen. Diesmal soll mir das nicht noch einmal passieren!

1. Mai, die große Enttäuschung

Das Rad war vom Vortag bereits gepackt, ich musste nur noch gut frühstücken, dann konnte ich zum Start rollen. Das Wetter war wieder gut, aber nicht mehr so warm, wie vor dem Wettersturz vom Mittwoch. Wahrscheinlich kein Fehler, wer will schon große Hitze bei einem Rennen? Und schon war ich im Startbereich!

Hektik und Nervosität im Startbereich

Diesmal war der Start zum RAI kein Einzelstart, sondern ich startete gemeinsam mit drei anderen, mit Daniel aus Deutschland, einem Belgier und einem Italiener. Relativ kurz nach dem Start ging es schon mit ca. 5 % in zwei unmittelbar aufeinander folgenden Anstiegen hinauf, von 0 m in Silvi bis Altri auf 435 m. Ich fühlte mich gut, und hatte meine Mitstarter recht rasch abgehängt.

Kaum war man oben, ging’s schon wieder auf 70 m hinunter, in ein breites Tal. Und nach einer halben Stunde begann der erste und schwerste Anstieg des Rennens: In einem Zug ging es mehr als 1.200 m hinauf auf einen Pass (1.313 m). Ich fühlte mich hervorragend, war frisch und lag sehr gut im Rennen.

Herrliche Landschaft im Anstieg zum 2. Pass

Im Gegensatz zum letzten Mal blieb mir L’Aquila mit seinem Verkehrschaos erspart, es ging nahe daran vorbei. Hier blieb ich zum ersten Mal stehen, der Tee vom Frühstück … Und kaum waren wir auf 670 m unten, ging es auch schon wieder auf den nächsten Pass hinauf, auf 1.340 m diesmal. Oben angekommen geriet ich in ein Rudel sehr schneller Fahrer, die Abfahrt war ein Höllenritt über schlechten Asphalt, auf dem immer wieder bis zu faustgroße Steine lagen. Es prellte die Arme, immer wieder waren die Begleitfahrzeuge im Weg, die auf diesen engen, winkligen Straßen das Tempo ihrer Fahrer einfach nicht halten konnten, zwischendurch kamen wieder kurze Anstiege mit 2-3 %, die wir mit voller Leistung und gut 40 km/h überfuhren. Und in diesen Anstiegen spürte ich einen sehr unangenehmen Schmerz im Knie.

Herrliche Landschaft, am Lago del Salto, kurz vor dem dritten Pass.

Am Lago del Salto musste ich die Gruppe fahren lassen, ich musste mein Knie schonen! Außerdem hatte ich Probleme mit der Ernährung: Ich hatte Studentenfutter mit, in dem aber, anders als bei uns, kandierter Ingwer statt Sultaninen war. Ich hatte keinerlei Erfahrungen mit Ingwer, aber sehr rasch herausgefunden, dass ich ihn nicht vertrage: Er macht mir Magenkrämpfe. Ich fuhr also etwas vorsichtiger, aber immer noch mit gut Druck am Pedal, über den nächsten Pass, der auf ca. 1.050 liegt. Langsam wurde es später, eine kleine Abfahrt, dann hügeliges Gelände, mit großen Schmerzen zum Checkpoint 1.

Nach 190 km, am Checkpoint 1, steppte der Bär! Zwei Damen sangen unglaublich laut, es waren jede Menge Leute dort, die mit dem Rennen nichts zu tun hatten. Aber auch Francesca, eine der wichtigsten Organisatoren dieses Rennens.

Ich musste eine längere Pause machen, mein Knie schmerzte mittlerweile ziemlich. Ich zog Kniewärmer über, legte ein Wärmepflaster auf und zum Schluss zog ich noch warme Leggings an. Zum Essen gab es dort leider nichts außer ein paar Lammspießchen, aber die nützten mir in der Situation wenig. Ich weiß nicht, wie lange ich dort war, aber sicher sehr lange. Dann fuhr ich weiter. Zu der Zeit war – nach der überlangen Pause – mein „Rennen“ schon gelaufen, ich hoffte aber, zumindest als Radtourist durchkommen zu können.

Nach dem Checkpoint kam ein langes, relativ langweiliges Stück, beinahe 50 km durch eine Ebene. Ich kehrte in einem Cafe ein und aß dort mehrere Torten, kaufte Gummibärchen und ein paar Rocher-Kugeln. Relativ bald nach dieser Pause hatte ich ein Paar ein- und überholt, auch einen Solofahrer. In einer relativ steilen Abfahrt waren mehrere Temposchwellen und zwar so, dass man sie nicht umfahren konnte. Prompt flogen mir meine neu gekauften Nahrungsvorräte im hohen Bogen aus der Lenkertasche. Ich musste also stehen bleiben und meinen Rocher-Kugeln nachlaufen. Dem Solofahrer, den ich gerade überholt hatte, erging es nicht anders, allerdings hatte weniger einzusammeln und er war schneller als ich; das Pärchen überholte mich bei der Gelegenheit auch wieder. Als ich die Kugeln alle gefunden hatte (es war bereits recht duster) stieg ich frohgemut aufs Rad und rollte weiter, aber beim nächsten Schweller verlor ich die Gummibärchen noch einmal. Damit waren die drei in weiter Ferne.

Dann kam der nächste Pass: Von knapp 700 m auf knapp 1.400 m. Immer noch hatte ich, trotz großer Schmerzen, ordentlich Druck am Pedal. Längst war es dunkel, und ich überholte viele Radler. Zumeist sah ich die Rücklichter lange, bevor ich sie eingeholt hatte. Ich war motiviert, wusste aber, dass ich mein Knie vorsichtig behandeln musste. Daher machte ich am Pass oben halt, um die Daunenjacke und die Winterhandschuhe anzuziehen. Unglücklicherweise hatte ich mein Rad an einen Stacheldrahtzaun gelehnt, und ein Stacheldrahtstück verhedderte sich in meinem Rad, aber ich konnte es ohne Schäden befreien und weiterfahren.

Die Abfahrt ist mir als schrecklich in Erinnerung: Eiskalt, -2 °C, mein Knie konnte ich kaum bewegen, mein Licht leuchtete die Straße nur ungenügend aus, aber schnell wollte ich ohnehin nicht fahren: Je schneller ich fuhr, desto kälter wurde es. In Pescasseroli war erst einmal Schluss, ich war so ausgefroren, dass ich mich kaum noch bewegen konnte. Ich traf auf ein Paar aus Deutschland, dem es sehr ähnlich wie mir ging. Es war nach 23 Uhr, aber in einem Restaurant erlaubte man uns, uns am offenen Kamin aufzuwärmen. Nach und nach kamen auch noch andere Rennfahrer, um sich hier aufzuwärmen. Der Wirt hatte Mitleid mit uns, er suchte uns sogar ein Zimmer. Letztendlich wollte aber nur ich bleiben, der Rest fuhr später weiter.

2. Mai

Das Rennen war endgültig gelaufen, ich war mittlerweile vorletzter, als ich knapp vor sieben Uhr wieder aufs Rad stieg. Natürlich hatte ich Wärmekissen am Knie, ich war warm angezogen, und am ersten Anstieg (1.100 m bis 1.500 m) hatte ich wieder ordentlich Druck am Pedal.

Im Anstieg war – trotz schlechter Straße – ordentlich Druck am Pedal.

Die Abfahrt war zwar kalt, aber auszuhalten. Ungefähr zur Hälfte dieser Abfahrt gab es einen Anstieg mit 5 %. Und da hatte ich kurz hintereinander zweimal einen steckenden Schmerz im rechten Knie. Ganz behutsam fuhr ich diese Steigung fertig und dann hinunter nach Isola de Liri. Ich konnte kaum noch treten, das Verhältnis zwischen Leistung des linken und rechten Beins (normalerweise 50:50 oder 49:51) war extrem asymmetrisch, am Ende 61:39. An Weiterfahren war nicht zu denken. In Fontana di Liri musste ich der Rennleitung Bescheid geben, dass ich nicht mehr weiter fahren würde.

Weil das mein Glückstag war, kam ich in dem Moment am Bahnsteig an, in dem der Zug nach Pescara abfuhr. Ich musste also zwei Stunden auf den nächsten warten. Trotzdem war ich am frühen Abend in Silvi zurück.

3-7. Mai

Die letzten Tage war das Wetter etwas wechselhaft, aber wieder etwas wärmer als beim Rennen. Wir machten noch eine Wanderung (mein Knie war einigermaßen einverstanden), besichtigten Pescara und am 7. sahen wir beim UCI Paraweltcup in Nachbarort, Montesilvano zu. Es ist wirklich erstaunlich und verdient jeden Respekt, mit welchem Einsatz, welcher Professionalität und welcher Begeisterung hier um Sekunden und Punkte gekämpft wird. Wir sahen die Einzelzeitfahrten der Handradfahrer (unterschiedliche Behinderungen, zumeist Querschnittlähmungen) und der Dreiradfahrer (die, soweit wir das sagen können, aufgrund von zerebralen Störungen mit einem normalen Rad nicht fahren könnten).

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