Via Francigena Sud, September/Oktober 2026

Vorbereitungen
Als Wanderführer haben wir den Cicerone Reiseführer Via Francigena – Part 4 von Sandy Brown und Nicole Bukaty (ISBN 978 1 78765 192 0) verwendet. Leider war der Führer über weite Strecken veraltet und ungenau, obwohl die Auflage von 2026 war.

Von den ersten beiden Übernachtungen, in Rom und in Albano Laziale abgesehen, haben wir nicht vorgebucht, wir haben uns drauf verlassen, dass es in der Nachsaison genügend Quartiere geben würde, die uns beide und Mimi aufnehmen würden. Damit sind wir vollkommen richtig gelegen.
Anreise
Wir sind von Baden mit dem REX nach Innsbruck gefahren und haben sehr schön bei Inn Heaven übernachtet. Am 7. September sind wir dann mit dem Zug nach Bozen und von dort, sehr schnell und komfortabel mit dem Frecciarossa um 13:12 nach Rom weiter gefahren. Um 18:10 waren wir dort und konnten in unserem Hotel einchecken. Fünf Stunden für die 650 km von Bozen nach Rom finden wir sehr gut, der Zug war äußerst komfortabel, zumal wir erste Klasse gefahren sind.
Weshalb sind wir von Innsbruck aus, und nicht von Wien gestartet? Ganz einfach: Ich hatte Pflegedienst bei meinen Eltern und war schon dort.
Packliste
Die Packliste ist vollständig, denn ich habe danach meinen Rucksack gepackt. Das Wasch- und Verbandszeug hatte Lisi.
- Zelt
- Schlafsack
- Thermarest
- 2 wollene T-Shirts
- wollenes Langarmshirt*
- Pullover
- lange Wanderhose*
- Normale Hose für Abends
- 2 Unterhosen
- Wandersocke
- Schwimmhose
- Regenmantel
- Daunenanorak
- Wasserflasche
- Platipus (Wassersack)
- Ladegerät samt Ladekabel für Garmin, USB-Typ C, Mikro USB
- Kamera
- Stativ
- Handtuch
- Pulsuhr (Garmin Forerunner 245)
- Sonnenbrille
- Tagebuch
- Salz
- Gewürze
* nie verwendet
Für die Fahrt habe ich die kurze Wanderhose und ein Baumwollenes T-Shirt getragen, das ich dann für Abends verwendet habe.
Die Wanderung
1. Tag, Dienstag 8.9., von Rom nach Albano Laziale, 29 km, 640 hm
Die erste Etappe sollte gleich ein Highlight werden! Der Cicerone hat von der Schönheit dieser Etappe geschwärmt.
Offiziell führt sie vom Petersplatz, am Colosseum vorbei, nach Castel Gandolfo, wo sich der Sommersitz des Papstes befindet (und auch die Zentrale des ENI-Konzerns, direkt am Weg). Weil uns am Petersdom nicht besonders gelegen war, sind wir vom Hotel, das in der Nähe des Bahnhofs Roma Termini lag, direkt zum Colosseum gegangen. Damit gilt das Colosseum als unser offizieller Startpunkt, unser „offizielles vorher Bild“ stammt daher von dort.

Überraschenderweise ist es sehr einfach und auch schön, Rom per Pedes in südlicher Richtung zu verlassen. Binnen kürzester Zeit ist man über die Vialle delle Terme di Garacalla aus der Truber raus. Die Via dela Porta Latina ist eine eher ruhige Straße, beinahe schluchtartig, die zur Porta Latina führt, und von dort aus gehts auf die Via Appia Antica, also die Römerstraße, die Süditalien mit Rom verband.

Die Via Appia gilt als Roms größtes Freilichtmuseum, kein Wunder, dass uns immer wider Touristengruppen auf Fahrrädern überholten, eine davon ist uns besonders in Erinnerung geblieben, eine fröhliche Führerin, ein Schwung von gut gelaunten Rentnern.
Es war ein heißer Tag, und leider sind im Laufe der letzten Jahre viele der Pinien abgestorben und gefällt geworden, die der Via Apia Schatten gespendet haben. Wir hatten daher leider nicht genügend zum Trinken dabei. Und, was noch viel schlimmer war, der Boden wurde Mimi zu heiß. Stur, wie sie war, blieb sie auf der gepflasterten Straße, in den nächsten Tagen sollte sie davon Probleme mit ihren Pfoten haben.








Erst bei Santa Maria delle Mole fanden wir eine Bar und Schatten. Das ist gleichzeitig auch der Ort, ab dem die Via Appia nicht mehr so toll erhalten ist, und relativ steil nach Castel Gandolfo hinauf führt.
Gleich am ersten Abend hatte ich das Glück, kochen zu können.
2. Tag, Mittwoch 9.9., von Albano Laziale nach Velletri, 20 km, 630 hm
Eine wunderschöne Wanderung durch dichte Wälder, den beiden Kraterseen entlang. Bei einer Bar unmittelbar von Velletri treffen wir zu ersten Mal auf andere Wanderer.






3. Tag, Donnerstag 10.9., von Velletri nach Cori, 20 km, 430 hm
Leider war in der Bar unsres Quartiers in der Nacht ein rauschendes Fest gefeiert geworden, entsprechend waren wir müde. Zu allem Überfluss geht es über Asphalt und nach kurzer Zeit wird Mimi von einer rasenden Schäferhündin angefallen, zum Glück passiert ihr dabei nichts. Überhaupt geht sie heute nicht wirklich gerne. Erst, als wir auf Schotter kommen, wirkt sie wieder fröhlich. Wieder ist es heiß, allerdings hören wir es dauernd Donnern. Ein See bringt (manchen) Abkühlung.

Kurz nach dieser Pause wird der Wind stärker, der Donner wirkt beunru´higend nahe und schon kommen die ersten Tropfen. Wir fliehen in die Bar einer Tankstelle, wo wir in zwei Stunden das Gewitter aussitzen können.

Danach tröpfelt es immer wieder, wir ziehen die Regenmäntel über, bleiben aber guter Stimmung. In Giulianello, bei einer Bäckerei, kaufen wir sensationell gute Pizzaschnitten.



Am Abend, in Cori, essen wir ganz in der Nähe des Herkulestempels. Das Essen ist gut, der Wirt, ein Queen-Fan, klimpert ein bisschen auf seiner Gitarre. Ein perfekter Tagesausklang!

4. Tag, Freitag 12.9., von Cori nach Sermoneta, 23 km, 700 hm
Das Wetter ist wieder makellos, es wird heiß werden! Cori liegt auf einem Hügel, und von dort müssen wir erst einmal hinunter, und dann gleich wieder auf der anderen Talseite hinauf nach Norma, dort finden wir eine Bar.
Mimi will nicht mehr gehen. Ganz offensichtlich hat sie sich die Pfoten verbrannt und hinkt, was sollen wir tun? Ich sehe einen Supermarkt, und dort kaufe ich eine Fußkreme. Bevor wir sie auf Mimis Pfoten schmieren sehen wir sie uns noch einmal genauer an: Ein klarer Fehlkauf, die Creme würde die Hornhaut entfernen, genau das, was wir nicht wollen. Kurz später kommen wir bei einer Apotheke vorbei, ich starte einen zweiten Versuch. Der Apotheker bringt eine Salbe. Halb im Scherz sage ich, die ist für die wunden Pfoten unsres Hundes, da verräumt er sie gleich wieder. „Hunde schlecken daran, und diese Salbe wäre giftig. Ich verkaufe Ihnen Ringelblumensalbe, die eignet sich besser!“ Lisi cremt Mimis Pfote ein, danach gibt es noch einen improvisierten Verband aus Papiertaschentüchern und Leukotape, und Mimi läuft wieder.

Nach Sermoneta geht es steil hinauf. Der Anstieg wirkt frustrierend, aber kaum haben wir begonnen, sind wir schon oben. In einer Bar trinken wir Fanta, dort treffen wir die Leute von Gestern wieder und einen Typen, der unter den Fahnen der Schweiz und Frankreichs durch Italien segelt.

Weil es in Sermoneta für uns (das einzige Mal übrigens auf dieser Wanderung) kein Quartier gegeben hat, haben wir eine Hütte auf einer Picknikarea gemietet. Groß ist sie nicht, aber ausreichend.


Der Typ von Sermoneta ist auch da, er heißt Renato. Es wird ein schöner Abend, wir essen und trinken gemeinsam und haben Spaß.
5. Tag, Freitag 12.9., von Sermoneta zum Kloster Fossanova, 32 km, 530 hm
Frühstück hatten wir noch in der Picknick Area, gemeinsam mit Anna Lisa. Renato war schon über alle Berge, im Gegensatz zu uns bricht er immer extrem früh auf.
Es wird eine eine wenig attraktive Etappe mit viel Asphalt. Unterwegs treffen wir Renato wieder. Und im Quartier, der Herberge des Klosters Fossanova, gibt es eine böse Überraschung: Obwohl Hunde bei booking ausdrücklich erlaubt waren, ist Mimi nicht willkommen. Wir müssen 40 € Aufpreis bezahlen, und das, obwohl das Quartier ohnehin mit großem Abstand das teuerste unsrer ganzen Wanderung ist. Empfehlen können wir dieses Quartier wirklich nicht! Zu allem Überfluss gibt es draußen, vor dem Zimmer, noch ein Fest mit enormem Lärm bis in die frühen Morgenstunden.





6. Tag, Samstag, 13.9., vom Kloster Fossanova nach Monte San Biagio, 23 km, 970 hm
Frühstück ist im Preis unsrer „Luxusherberge“ inbegriffen, aber wir müssen es uns selbst machen, viel was g’scheits ist es nicht.
Unser Führer schildert die Etappe als besonders hart, aber sie kürzt zwei langweilige Flachetappen ab. Entsprechend geht es gleich einmal recht steil bis auf 750 m hinauf. Alles halb so wild (wir fragen uns wieder einmal, ob die, die den Führer gemacht haben, dir Strecke überhaupt gegangen sind). Allerdings sind die Wege schlecht, auch weitgehend unmarkiert und der Abstieg nach San Biagio ist sehr steil. Viel zu früh kommen wir unten an. Allerdings haben wir uns ein Quartier mit Pool ausgesucht, nach der Hitze des Tages genießen wir das kühle Wasser!





7. Tag, Sonntag, 14.9., von Monte san Biago nach Itri, 25 km, 940 hm
Es beginnt schrecklich: Auf einer sehr stark befahrenen Straße geht es los. So kann das nichts werden, nach ein paar Kilometern biegen wir rechts auf eine kleine Straße in die Felder ab.
Die Straße führt zwischen Gewächshäusern, Feldern und Gärtnereien nach Fondi. Dort gibt es Orangensaft. Die Strecke führt dann weiter über die Via Appia Antica, die hier sehr gut erhalten ist. Zum Schluss müssen wir wieder steil nach Itri absteigen.
Itri kenne ich bereits vom Race across Italy von vor drei Jahren.





8. Tag, Montag 15.9., von Itri nach Scauri, 31 km, 700 hm
Wie fast immer gibt es Frühstück in einer Bar. Während wir unsren Capuccino (Lisi) und heiße Schokolade (ich) trinken, dazu 5 Croisants essen, beobachten wir, wie die Leute hier ihre Erstklassler in die Schule bringen. Die Ferien müssen gerade zu Ende gegangen sein, die Kinder sind in großer Aufregung.
Hinter Itri geht es lange steil über eine Straße hinauf. Oben angelangt, wird die Aussicht wirklich schön, wir sehen zum Meer hinunter, einem Meer, in dem wir heute noch baden werden? Ein Müllfahrzeug kommt uns entgegen und hupt uns fröhlich zu. Wir überholen Wanderer, die wir noch nicht kennen. Etwas später kommt das Müllfahrzeug wieder, der Fahrer will sich mit Mimi anfreunden. Wir treffen ihn dann noch einmal, da füttert er sie auch noch.
In Gaeta kommen wir endlich ans Thyrrenische Meer, das Abkühlung nach einem heißen Vormittag verspricht.

Leider finden wir die kleine, ruhige Strandbar, nach der wir uns die ganze Zeit gesehnt hatten, nicht. Dafür gehen wir zwei Kilometer lang, an endlosen, aber leeren Reihen von Liegestühlen vorbei, über den Sandstrand. Dann geht es wieder auf die Küstenstraße, die laut und stark befahren ist.
Hier, an der Küste, bemerkt man so richtig, dass die Saison vorüber ist, alles ist geschlossen, wir müssen uns selbst verköstigen, Küche haben wir aber keine, daher gibt es heute nur Brote und eine Flasche Rotwein aus dem Salento (ein Salice, als Vorschau, sozusagen, auf unser großes Ziel, Santa Maria di Leuca).
Wir rechnen, wie viele Etappen wir noch vor uns haben. Erstmals erscheint es uns möglich, weit über Bari hinaus, vielleicht sogar bis Santa Maria di Leuca, zu kommen.






