
Sentiero Italia – Grand Italian Trail
Ein Sommertraum für Juli/August 2023
Donnerstag 25. Mai 2023
Seit dem Race Across Italy wissen wir, wie schön Italien abseits der Küsten ist. Und dann haben wir den Sentiero Italia gefunden, den angeblich längsten durchgehend markierten und angelegten Weg der Welt.
Eigentlich wollten wir in diesem Sommer ja mit dem Tandem einmal rund um die Ostsee fahren (wir hätten abgekürzt und wären mit dem Schiff nach Turku gefahren, und dann noch einmal von Helsinki nach Tallinn), aber Mimi wollte nicht mit dem Wagen fahren, und laufen kann sie nicht so weit. Also würde es auch heuer wieder eine Wanderung werden.
Diesmal also Italien. Von Popoli (das kenne ich noch sattsam vom Race Across Italy) nach Reggio Calabria. Zeit haben wir genügend, denn im Sommer kommen für mich normalerweise keine wesentlichen Aufträge, vor Mitte September müssen wir nicht daheim sein. Starten werden wir Anfang Juli, also sollte das alles vollkommen ohne Stress gehen.
Wir haben die Tracks herunter geladen (ich habe da so einen Hack entwickelt, damit ich die alle unter einmal bekommen kann, ein Linux-Shell Script). Es werden, wenn die Tracks richtig sind, ca. 1.500 km und 60.000 Höhenmeter. Wir werden die Apruzzen, die Molise, Campanien, die Basilicata und Calabrien durchwandern.
Zumeist werden wir uns auf 1.100 bis 2.100 m Höhe befinden, es wird also nicht extrem heiß werden. In Italien hat es im Frühjahr bis jetzt sehr viel geregnet, Wasser sollte es also überall ausreichend geben.
Ihr seht, wir haben geplant, jetzt müssen wir nur noch ein paar Besorgungen erledigen, die Rucksäcke packen und ins Abenteuer starten …

Insgesamt sollten es 1.400 Kilometer und 52.365 Höhenmeter werden. Es sind 69 der 365 Etappen, die der Weg insgesamt hat.

Samstag, 27. Mai 2023
Generalprobe
Eines der Probleme bei diesem Weg sind die wenigen Quartiere. Wir werden also unser Zelt mitnehmen müssen. Aber, wird Mimi im Zelt schlafen wollen? Wir wussten es nicht. Daher, und weil das Wetter endlich gut war, haben wir im Kurpark, genauer gesagt, auf der Karolinenhöhe, gezeltet. Alles ist gut gegangen, auch die Wildschweine, die in der Nacht die Gegend heimgesucht haben, haben nach einem kurzen Bellen von Mimi das Weite gesucht und uns in Ruhe gelassen. Wir haben hervorragend geschlafen.



Ausrüstung
Wir werden immer wieder gefragt, was wir auf unsre Wanderungen mitnehmen. Ich habe eine Liste angefertigt:
Lisi
- Schlafsack (Elighted Equipment)
- Seidenhüttenschlafsack (Cocon)
- Isomatte (Termarest)
- Regencape
- 2 T-Shirts
- Short
- Lange Wanderhose für Abends
- 2 Unterhosen Merino
- 2 Bustiere Merino
- 2. Paar Schuhe für Abends
- Wasserflasche
- 2 Wassersäcke (Platypus 1,5 l)
- Mobiltelefon
- E-Book Kobo
- Pulsuhr Garmin Forerunner (zur Navigation)
- Rucksack
Johannes
- Zelt (Hilleberg Anjan 3)
- Schlafsack (Elighted Equipment)
- Seidenhüttenschlafsack (Cocon)
- Isomatte (Termarest)
- Regencape
- 2 Tshirts, 100 % Merion (kein Kunstfaseranteil!)
- Short
- Lange Wanderhose für Abends
- Lange Merinounterhose (nicht verwendet)
- 2 Unterhosen
- 2. Paar Schuhe für Abends (Vibram 5 Fingers)
- Wasserflasche (Sigg)
- 2 Wassersäcke (Platypus 1,5 L)
- Fotoaparat (Panasonic DMC-LF1)
- Mobiltelefon
- 3-fach Ladegerät
- E-Book Kobo
- Pulsuhr Garmin Forerunner (zur Navigation)
- Rucksack
Gesamtgewicht Johannes: 9 kg
Dazu kommt natürlich noch Proviant und Wasser, oft mussten wir fünf bis sieben Liter Wasser tragen!

Unser süditalienisches Abenteuer
Aufbruch nach Italien
Popoli – Refugio Iaccio
Refugio Iacco Grande nach Pacentro
Von Pacentro nach Campo di Giove
Campo di Giove – Rivisondoli
Rivisondoli – San Pietro Avellana
San Pietro Avellana – Carovilli
Isernia
Isernia – Roccamandolfi
Roccamandolfi – Piedimonte Matese
Piedimonte Matese – Visanti
Visanti – Telese Terme
Telese Terme – il Tasso del Taburno
Il Tasso del Taburno – Bonea
Bonea – Rifugio Acqua delle Vene
Rifugio Acqua delle Vene – Santuario di Montevergine
Serino – Rifugio Verteglia
Rifugio Verteglia – Acerno
Acerno – Montecorvino Rovella

Montag, 3. Juli 2023
Aufbruch nach Italien
Wir waren in Innsbruck, um den Geburtstag meines Bruders zu feiern, daher sind wir von dort aus gestartet. Der Zug ist mit 30 Minuten Verspätung gekommen. Vom Brenner weg hatten wir Plätze in der ersten Klasse, wir sind in Innsbruck bereits in dieses Abteil gestiegen, ein Fehler. Ein extrem uneinsichtiger Schaffner hat und für dieses Vergehen € 60,80 abgeknöpft. Etwas zornig, aber frohen Mutes sind wir dann weiter bis Bologna. Dort war die Verspätung bereits auf eine Stunde angewachsen. Das war jetzt ernsthaft blöd, denn unser Anschluss war über alle Berge.
Von Bologna nach Pescara hatten wir also keine Sitzplätze. Wir sind zwischen den Waggons am Gang gesessen. Es war aber nicht so schlimm, wie das klingt, denn wir haben uns schon sehr auf die Wanderung gefreut!


Zum Glück sind dann ab Rimini immer mehr Leute ausgestiegen, und wir konnten uns setzen. In Pescara waren wir dann auch eine Stunde später, als geplant, aber das war nicht schlimm, denn die Züge nach Popoli gehen alle Stunden.

In Popoli sind wir rasch im Hotel eingecheckt. Das Zimmer war nicht aufregend, aber ordentlich, und dann zum Essen gegangen.

Dienstag, 4. Juli 2023
Popoli – Refugio Jaccio
Das Frühstück im Albergo Ra.Re war super! Ich habe mich mit Torten vollgestopft, Lisi hat sich auch viel gefunden. Dazu geb es guten italienischen Kaffee für Lisi und Kakao für mich.

Leider hat das Wetter wenig vertrauenerweckend ausgesehen, der Wetterbericht hat unsre Befürchtungen leider bestätigt. Wir wollten daher noch einen Tag länger bleiben, aber das Ma.Re war leider ausgebucht. Wir sind also gestartet. Ungünstig war das, weil die Etappe als besonders lang und herausfordernd geschildert war.
Egal, wir haben unser übliches „Vorherfoto“ gemacht, und zwar auf einer umhäkelten überdimensionalen Vespa, die als Skulptur im Park vor dem Hotel stand.

Popoli erwies sich als nettes Örtchen, weit netter, als ich es vom Race Across Italy in Erinnerung hatte. Wie das bei abgelegenen italienischen Orten öfters der Fall ist, war es weitgehend im Originalzustand erhalten. Wir versorgten uns noch einmal mit Proviant, bevor wir endgültig aufbrachen. Oberhalb von Popoli liegt eine Burgruine, die wir auch sehr hübsch fanden.





Immer dem GPS-Track folgend sind wir erst ein Stück hinauf, dann quer hinüber zum Centro Visita del Lupo. Die Wölfe haben wir dort nicht gesehen, aber viele andere Tiere. Außerdem haben wir dort noch Wasser bekommen (in der Beschreibung steht, dass es da einen Brunnen gibt, aber der Arbeiter hat gesagt, das sei kein Trinkwasser).


Vom Centro Visita del Lupo aus geht es recht steil hinauf zum Grat. Der Weg wird schlechter. Tatsächlich einen Brunnen gibt es im Refugio Le Fonti, einer unbewirtschafteten Hütte, in der man übernachten könnte.

Vom Refugio aus ging es auf den Grat. Der Weg wurde immer schlechter, bis von gelegentlichen Markierungen abgesehen nichts mehr davon übrig war. Der Grat war schmal, die Flanken recht steil und es war sehr mühsam, dort zu gehen.
Überraschend geb es am Monte Rotondo ein Gipfelkreuz samt Gipfelbuch.





Kaum waren wir vom Mt. Rotondo weiter gegangen, begann es zu donnern. Sehr schnell zog es zu, und das Wetter wurde stürmisch. Nebel fiel ein, wir waren inmitten eines Gewitters und konnten nichts mehr sehen. Wir mussten also vom Grat zum Wald hinunter. Wir tappsten durch den Nebel, den Wald sahen wir erst aus weniger als zehn Meter Distanz. Wir saßen dann eine gute halbe Stunde unter meinem Regenmantel. Eine Rotte Wildschweine zog an uns vorbei.
Irgendwann wurde uns das Warten auf besseres Wetter zu blöd. Wir fanden einen „Weg“, etwas unterhalb des Grates, auf dem wir zum Refugio Iacco Grande gehen konnten. Wir stiegen also ab, immer mit Blick auf das Handy, um den Weg zu finden, aber es gab den einfach nicht. Wir tasteten uns also, patschnass, wie wir waren, Baum zu Baum, immer dem angeblichen Weg entlang. Mit der Zeit entstand tatsächlich so etwas, wie ein Weg, gleichzeitig wurde der Nebel etwas lichter und der Regen ließ nach. Je weiter wir kamen, desto mehr Kühe folgten uns und am Ende kamen wir, begleitet von einer großen Herde, beim Refugio an.
Das Refugio Iacco Grande ist, ähnlich dem Refugio Le Fonti, eine unbewirtschaftete Hütte, die vermutlich den Hirten dienen sollte. Es war feucht und dunkel, kein idealer Schlafplatz. Es gab zwar einen Kamin, auch Papier und Holz, aber alles war so feucht, dass wir es nicht anzünden konnten. Zumindest der elektrische Strom funktionierte, dank Sonnenzellen am Dach und Akkus, gut. Wir übernachteten dort. Als Abendessen gab es nur das, was wir als Proviant mitgenommen hatten.




Daten aus dem GPS:
Distanz: 20 km, 1.923 Höhenmeter, 8:06 Stunden

Mittwoch, 5. August 2023
Refugio Iacco Grande nach Pacentro
Im Refugio war es natürlich finster und kalt, aber sobald wir die Tür geöffnet hatten, standen wir in der Sonne. Der Ausblick war herrlich.
Wir frühstückten, was wir noch übrig hatten (es war eher zu wenig) und machten uns auf den Weg. Unser erster Berg für diesen Tag sollte der Cima Morrone (2.061) sein. Der Weg dort hinauf war einfach, es ging über (noch feuchte) Wiesen, zumeist relativ sanft bergauf. Überall gab es Kühe und Pferde, die uns aber nicht bedrängten.

Der Abstieg war steil und anstrengend. Angenehmer wurde es erst knapp vor Roccacaramanico.
Wir waren recht erschöpft, denn wir hatten schlecht geschlafen, waren dehydriert und hungrig. In Roccacaramanico kehrten wir daher in einer Bar ein, tranken viel Saft und aßen eine Kleinigkeit. Ich suchte nach einer Unterkunft und wurde in der Nähe von Pacentro fündig. Diese letzten zehn Kilometer zur Fattoria La Tana della Volpe waren angenehm zu gehen. Die Fattoria selbst war gemütlich, das Essen hervorragend. Und langsam stellte sich das Wohlbehagen ein, das Streckenwanderungen auszeichnen sollte.

Daten aus dem GPS:
Distanz: 25 km, 863 Höhenmeter, 8:11 Stunden

Donnerstag, 6. Juli 2023
Pacentro – Campo di Giove
Es sollte eine kurze und leichte Etappe werden, denn wir waren immer noch etwas angeschlagen. Der Weg führte durch ein schönes, schluchtartiges Tal hinauf zum Ort. Campo die Giove ist ein hübsches kleines Örtchen. Sofort beim Ortseingang fanden wir eine Pension, in der wir willkommen waren.





Daten aus dem GPS:
Distanz: 9 km, 605 Höhenmeter, 2:18 Stunden

Freitag, 7. Juli 2023
Campo di Giove – Rivisondoli
Wir wachten wieder ausgeruht und fröhlich auf. Lisi hatte leichte Ansätze zu Blasen, aber wir klebten Tape drüber. Es ging steil hinauf zu einem Schigebiet (ja, die gibt es dort). Oben weideten ein paar Kühe, ein sehr junger Hirtenhund sollte die bewachen, aber er war eher feig und bellte uns aus sicherer Distanz an.






Von dort an ging es, immer dem steilen Abbruch zum Tal entlang. Am Anfang war eine kleine Kraxelei. Der Weg führte über viele Gipfel, der höchste davon war der Monte Porrara (2.137).
Vom Monte Porrara an wurde der Grat breiter und die Abhänge weniger schroff. Wir rasteten in einer hübschen Wiese voller gelber Blumen.






Auch beim Abstieg gab es noch eine nette Rast. Wir waren nicht in Eile, und der Platz war einfach schön!



Unten angekommen ging es, mehr oder weniger querfeldein, über eine riesige Wiese und dann über einen recht zugewachsenen, aber schlammigen Weg nach Rivisondoli. Das letzte Wegstück war erstmals wirklich heiß und wir waren froh, als wir in Rivisondoli angelangt waren.


In Rivisondoli fanden wir sehr schnell ein nettes Hotel, aber es war nicht einfach, etwas zum Essen zu finden.
Lisi leidet diesmal unter Blasen. Ich ging in die Apotheke, um eine antiseptische Tinktur zu kaufen. Ich habe Google-Translate verwendet, um der Apothekerin zu sagen, dass ich eine Creme für Blasen möchte, denn die Blasen meiner Frau sind sehr entzündet. Sie meinte, ich müsse unbedingt zum Arzt., sie könne mir nicht helfen. Es hat einige Zeit gedauert, bis wir das Missverständnis fanden: Google Translate hatte aus einer Blase am Fuß die Blase gemacht. Bei eitriger Blasenentzündung hilft wohl nur ein Urologe, allenfalls ein Gynäkologe.
Die Tinktur hatte eine herrlich rote Farbe, die aber zum Glück nicht lichtecht ist. Lisis Füße sahen noch länger fürchterlich aus, die Farbe auf meinem Finger war bereits am nächsten Vormittag verblasst.

Daten aus dem GPS:
Distanz: 25,5 km, 1.450 Höhenmeter, 8:10 Stunden

Samstag, 8. Juli 2023
Rivisondoli – San Pietro Avellana
Wir hatten uns entschlossen, etwas anders zu gehen, als geplant. Die Route schien uns kürzer, wir würden zwei bis drei Tage und viele Höhenmeter einsparen können.
Der Anfang war wirklich einfach und leicht. Etwas eintönig ging es über Asphalt dahin. Erst nach über einer Stunde wechselten wir auf Feldwege. In einem Wald war er dann von den schweren Forstmaschinen total zerwühlt, und hörte dann vollkommen auf. Wir folgten einfach unsrem GPS Track, querfeldein durch den Wald. Dann kamen wir wieder auf Spuren der Waldmaschinen und dann auf einen vollkommen zugewachsenen Weg.
Lisis Blasen waren immer noch ein Problem, allerdings sahen sie nicht mehr so eitrig aus.


Leider war das einzige B&B in San Pietro voll, aber wir kamen privat unter. Zum Essen mussten wir in eine Pizzaria etwas außerhalb des Ortes. Die Pizze waren sensationell!




Daten aus dem GPS:
Distanz: 19,4 km, 419 Höhenmeter, 4:56 Stunden

Sonntag, 9. Juli 2023
San Pietro Avellana – Carovilli
Wir sind wieder auf Asphalt gestartet. Eigentlich hätten wir beinahe sofort von der Straße abzweigen sollen, aber der Weg war so zugewachsen und voller Brombeeren, dass wir erst einmal auf der Straße geblieben sind. Erst, als sich Straße und Track trennten, wechselten wir auf den Track.
Zu Anfang war der Weg vollkommen Ok. Es waren Schotterstraßen, zum teil mit tiefen Löchern, aber er wurde schlechter. Und dann bogen wir in eine Schneise ein, die unter einer Stromleitung entlang führte. Dort war der „Weg“ in einem Zustand, den wir vorher noch nie gesehen hatten. Es war am Anfang eine einzige Brombeerwüste. Etwas später hatten Arbeiter alle Büsche gefällt, aber liegen gelassen, man konnte nicht sehen, wohin man stieg, dazwischen waren immer wieder Brombeerranken.


Dieses Teilstück war zwar lediglich nur 600 Meter lang, wir haben aber beinahe 35 Minute dafür gebraucht. Danach waren wir etwas sauer und zerkratzt. Wir waren wirklich froh, als wir aus dieser Schneise in den „normalen“ Wald kamen, wo es querfeldein weiter ging.


Irgendwann wurden die Wege wieder gut. Leider hinkte Mimi, wir wussten nicht, was ihr fehlt.
Wir kamen zu einem Wegweiser, der uns zu einem besonderen Baum lotste. Leider stand der Baum nicht mehr, aber die Ruine war spektakulär genug!


Irgendwann waren wir aus dem Wald heraußen. Wir gingen dann recht lange einer Straße entlang, Verkehr war keiner, und wir genossen den Asphalt.




Am Ende kamen wir in Carovilli an. Unsere Karte zeigte, dass die weitere Strecke nach Isernia nicht lohnend war, und Mimi hinkte stark. Wir beschlossen daher, nach Isernia zu fahren und einen Ruhetag einzulegen. Leider gab es weder Züge, noch Busse. Ein junger Mann, den wir nach öffentlichen Verkehrsmitteln gefragt hatten, brachte uns nach Isernia.
Daten aus dem GPS:
Distanz: 17 km, 254 Höhenmeter, 4:15 Stunden

Montag 10. und Dienstag 11. Juli 2023
Isernia
In Isernia hatten wir ein Zimmer in der Residenza Marcelli, mitten in der Altstadt gebucht. Wir wollten uns die Stadt ansehen und ein bisschen ausrasten. Aber Mimi hinkte, Lisi hinkte. Bei lisi war das Problem relativ klar, ihre Bergschuhe, Meidl Island, hatten schon gute 2.000 km am Buckel, wir hatten sie im vergangenen Jahr für die Wanderung am Weg der Freundschaft gekauft. Sie waren einfach am Ende. Bei Mimi war es vollkommen unklar.
Gleich nach der Ankunft im Zimmer verarztete ich einmal Lisis Füße, ich färbte sie wieder in diesem herrlichen Rotton. Bei Mimi war die Sache unklar. Sie wollte ihre vordere linke Pfote nicht belasten.
Wir gingen erst einmal zum Abendessen. In der Dämmerung konnten wir Gekkos beobachten,die die Hausmauer hinauf und hinunter liefen und Insekten fingen.

Am nächsten Tag war Mimis Hinken noch nicht besser. Wir beschlossen also, noch einen Tag zu bleiben, und einen Tierarzt aufzusuchen. Als erstes kontaktierten wir den Zimmervermieter und fragten, ob das möglich sei. Es war.
Die Ordination war weitgehend voll, aber der Arzt freundlich. Allerdings brauchte es das volle Programm: Röntgen, Blutzuckermessung, eine Cortisonspritze (und noch zwei für die folgenden Tage). Das Wichtigste zuerst: Es war nichts gebrochen. Wir wollten mit Bancomat bezahlen, aber das funktionierte nicht. Ich lief also zur nächsten Bank und holte mir 400 € aus dem Automaten. Und wollte bezahlen. Die Kosten waren erstaunlich: € 40, ob das italienische Finanzamt jemals davon erfahren hat, möchte ich nicht wissen, aber wir waren glücklich.


Anderes Problem: Lisis Blasen. Lisi brauchte neue Schuhe, das ist klar. Wir fragten Google nach Sportgeschäften, es gab einige. Mimi konnte nach der Spritze wieder gehen, also starteten wir los.
Leider waren all die Sportgeschäfte keine Sportgeschäfte, sondern „Fachgeschäfte für Sportmode“, also die Sorte von Geschäften, wo man modische Fensehhosen und die dazugehörigen T_Shirts bekommt. Bergschuhe hatten die keine, allenfalls Angeln oder Fußbälle. Im letzten Laden verwies man uns zu einem Jagdgeschäft. Und dort wurden wir fündig. Ganze € 90 kosteten die Schuhe, aber Lisi fühlte sich wohl darin. Die Meindl entsorgten wir sofort.










Am zweiten Abend gingen wir nicht zum Essen, sondern versorgten uns aus einem nahegelegenen Supermarkt. Wir öffneten die Balkontür, zündeten eine Kerze an und genossen den lauen Abend.


Mittwoch, 12. Juli 2023
Isernia – Roccamandolfi
Lisis Füße waren deutlich besser, die knallrote Tinktur und die zwei Tage ohne Bergschuhe hatten ihr gut getan. Ich hatte Mimi jeden Tag in der Früh eine Cortisonspritze verpasst, auch sie hinkte nicht mehr. Was genau ihr gefehlt hatte wussten wir zwar nicht, aber vielleicht hatte sie sich bei der Aktion am Sonntag etwas gezerrt.
Es war Zeit, wieder aufzubrechen!
Wieder hielten wir uns nicht sklavisch an den GPS-Track, sondern wir folgten dem „original Sentiero Italia“. Diesmal waren die Wege passabel.

Nach knapp drei Stunden kamen wir zum Santuario Maria Santissima Adolorata. Im März 1888 soll die Heilige Jungfrau hier zwei Schäferinnen erschienen sein. Es folgten mehrere weiteren Erscheinungen. Papst Paul VI anerkannte dieses Ereignis. Die Kathedrale ist ein relativ neues Gebäude, es wurde 1975 eingeweiht und lässt mit seiner neugothischen Architektur und dem sternförmigen Grundriss das Herz jedes echten Frozen-Fans höher schlagen.
Um ehrlich zu sein, wir sind keine Frozen-Fans, aber die Aussicht ist schön, und wir fanden dort einen Brunnen. Wir haben gelesen, dass sich früher an dieser Stelle ein Fruchtbarkeitstempel befand, zu dem man noch im 19. Jahrundert Speisen in Phallus- und Vaginaform gebracht hatte, um schwanger zu werden. Knapp vor den Marienerscheinungen war es deshalb zu einem großen Skandal gekommen.




Der Weg weiter nach Roccamandolfi war unspektakulär.







In Roccamandolfi gab es ein Hotel, das erstens relativ teuer, und zweitens geschlossen war, als wir an der Pforte ankamen. Wir setzten uns also in die Bar und tranken einmal ein Bier.

In der Bar erfuhren wir auch, dass Roccamandolfi ein Gästehaus hat, und dass wir dort für wenig Geld übernachten können. Das Gästehaus hatte auch eine Küche, ich kochte Nudeln mit einem Sugo aus Käse und Rahm (deutsch für Sahne oder Obers).


Daten aus dem GPS:
Distanz: 28 km, 1.239 Höhenmeter, 7:20 Stunden

Donnerstag, 13. Juli 2023
Roccamandolfi – Piedimonte Matese
Aus der Campagne nach Apulien
In der Bag gabs schon um 7:30 Frühstück, dort bezahlten wir auch die Herberge, dann ging es los. Es gab zwei Wege, den landschaflich schöneren am Grat, und einen auf halber Höhe. Weil es sehr windig war, blieben wir unten. Der Weg war fast durchgehend gut, nur einmal gab es ein Gestrüpp aus mannshohen Farnen und Brombeeren. Nach gut zwei Stunden waren wir in Campitello Matese (einem Schiresort oder Touristenghetto).





In Campitello Matese gab es Wasser, und Mimi war heiß, aber leider kam man zum Wasser nicht hin, es war eingezäunt und diente als Speicher für die künstliche Beschneiung im Winter. Erst etwas weiter oben fanden wir dann eine Möglichkeit, die Mimi gleich nützte.

Von Campitello Matese aus stiegen wir auf den Grat hinauf, um ihn zu überqueren. Danach kam ein langer und steiler Abstieg.
Je tiefer wir kamen, desto heißer wurde es. Mimi nutzte jede Gelegenheit, um sich abzukühlen. Keine Pfütze war zu klein, kein Brunnentrog zu hoch, kein Bach zu reißend.
In einer Ortschaft namens San Giorgio Matese fanden auch wir etwas zu Trinken. In dem Caffee war viel los und wir fanden es amüsant, die Leute zu beobachten. Der letzte Teil des Abstiegs war dann noch heißer und elendig steil. Am Ende kamen wir in Piedimonte Matese an. Der Albergo war nett, die Pizzeria eher mäßig.

Daten aus dem GPS:
Distanz: 33 km, 1.500 Höhenmeter, 9:10 Stunden

Freitag, 14. Juli 2023
Piedimonte Matese – Visanti
Wir mussten erst einmal 1.100 m hinauf. Der Weg führte durch den Wald, daher war die Sonne gut auszuhalten.

Vom Gipfel hatten wir eine schöne Aussicht.

Der Abstieg war wieder lang. Wir kamen an einem See vorbei, bei dem Pferde und Kühe weideten. Leider war der See so flach und schmutzig, dass wir nicht drin baden konnten. Warm genug wäre es gewesen!



Es war ein sehr heißer Nachmittag, daher musste sich Mimi dringend abkühlen. Ich mag das Foto sehr, darum poste ich es jetzt hier …

Leider fanden wir in unsrem angepeilten Zielort, in Faichio, kein Quartier. In der Nähe gab es auf Booking.com einen Bauernhof, in dem aber keine Hunde erlaubt waren. Wir sind trotzdem hingegangen, allerdings, ohne reserviert zu haben. Wie sehr oft bei „Hundeverbot“ war Mimi kein Problem, es war eine nette Übernachtung.
Nach dem Duschen musste ich noch einmal ausrücken, denn wir hatten für Mimi nichts mehr zu Fressen. Zum Glück befand sich in kaum einen Kilometer Entfernung ein Supermarkt, in dem ich nicht nur Proviant, sondern auch Hundefutter bekam.
Daten aus dem GPS:
Distanz: 26 km, 1.430 Höhenmeter, 8:00 Stunden

Samstag, 15. Juli 2023
Visanti – Telese Terme
Der erste Teil des Weges führte uns über eine Straße nach Faicchio. Danach geht es – teils über Straßen, teils über Wege, nach Telese Terme. Die Etappe war relativ kurz und weder landschaftlich, noch von der Wegbeschaffenheit her aufregend.

Ein nettes Erlebnis hatten wir aber doch. Es war heiß, wir kamen nie über 270 m Höhe hinaus. Es war recht heiß und entsprechend ausgedörrt waren wir. Ungefähr eine Stunde vor Telese Terme, in einer kleinen Ortschaft, wurden wir angesprochen. Woher wir kommen, wohin wir wollten, das Übliche. Ob wir Wasser möchten? Ja, das wollten wir. Wir wurden ins Haus gebeten (Mimi auch). Der Mann war Radrennfahrer, seine ganze Wohnung war voller Pokale. Dann gab es noch seine Frau, die uns herrliche Pfirsiche anbot, und den Opa, der an diesem Tag seinen 93. Geburtstag feierte.
In Telese Terme fanden wir ein B&B. Normalerweise nehmen die keine Hunde, aber Mimi war wieder einmal Ok. Allerdings durften wir erst um 18 Uhr ins Zimmer, es war aber gerade 13 Uhr. Wir aßen ein Eis in einer Bar. Dann setzten wir uns in den Kurpark, entspannten und und lasen in unsren Büchern, bis es endlich Zeit war, einzuchecken.

Zum Abendessen gab es sehr gute Pizze.
Daten aus dem GPS:
Distanz: 18 km, 540 Höhenmeter, 4:30 Stunden

Sonntag, 16. Juli 2023
Telese Terme – il Tasso del Taburno
Telese Therme befindet sich in einem breiten Tal auf unter 100 Meter Höhe. Wir das Tal überqueren, eine sehr öde Wanderung zu Beginn der Etappe. Zum Glück war die Temperatur noch angenehm.
Auf der anderen Talseite ging es dann steil hinauf. Wir hatten in der Karte einen Weg gefunden, auf dem wir abkürzen konnten, und den stiegen wir einmal ungefähr 300 Höhenmeter hinaus. Zwei Bauern kamen uns entgegen. Sie sagten uns, dass der Weg nicht weiter geht, und so war es dann auch. Also wieder zurück hinunter.
Der geplante Weg war eine Straße, die zu einer Walfahrtskirche, dem Santurnio Madonna del Roseto führt.
Ein Auto blieb stehen. Ein Mann fragte uns, was wir da tun. Wir erklärten es ihm. Er stellte sich als Professor am Gymnasium vor, als passionierter Naturliebhaber. Aber er wollte uns nicht weitergehen lassen, denn es sei so heiß, dass es extrem gefährlich sei. Wir wollten trotzdem weitergehen. Wir hatten sehr viel Wasser mitgenommen und waren nicht in Sorge. Nach einigem Hin und Her nahm er unsre Rucksäcke und fuhr sie hinauf. Nun hatten wir natürlich kein Wasser mehr, denn das war im Rucksack. Das war aber nicht schlimm, denn wir waren eine knappe Stunde später auch am Heiligtum angelangt. Der Professor war sehr überrascht, dass wir so schnell waren.
Hinter der Kirche fanden wir einen Wasserhahn, an dem wir uns kalt abwuschen, dann gingen wir weiter hinauf. Der Professor überholte uns dann wieder mit seinem Auto. Überhaupt war auf der Straße an diesem heißen Samstag relativ viel los. Sie führt bis auf ca. 1.000 Meter Höhe. Sehr viele Leute picknickten dort oben, oft in großen Grußßen, mit Grillfeuer und Ghettoblastern. Auch wir rasteten dort.

Die Straße hörte dann auf, asphaltiert zu sein, und der Lärm ließ nach. Wir wanderten sehr angenehm durch den relativ kühlen Wald.
Nach einiger Zeit kamen wir zu einer anderen Picknickarea. Die Leute wollten mit uns reden, aber leider war unser Italienisch nicht ausreichend. Und dann waren wir wieder alleine im Wald.

Als Quartier war ein Agrotourismo, Il Tasso di Taburno, geplant. Der Abstieg war steil, aber nicht schwierig. Bis wir beinahe unten waren. Plötzlich waren wir zwar auf „einem markierten Weg“, aber mitten im Brombeergestrüpp. Je tiefer wir kamen, desto heißer wurde es. Zum Schluss bogen wir, reichlich erschöpft und zerkratzt, nach Links in eine asphaltierte Straße ein.
Wir empfanden diese Teil des Weges als unnötig. Und am Ende landeten wir zwischen aggressiv bellenden Hunden bei ein paar Häusern, und da war nur eine etwas schrullige ältere Frau. Wir telefonierten mit den Eigentümern, kurz später kam eine ebenso dicke wie temperamentvolle junge Frau mit einem etwas heruntergekommenen Auto und führte und ein paar Kilometer, an einem Picknickplatz vorbei („You eat here“) zu einem hoch gelegenen Bauernhof. Er lag ungefähr da, wo wir ins Dornengestrüpp gekommen waren. Sobald wir mit dem Duschen fertig sind sollten wir sie wieder rufen, sie brächte uns dann zum Essen.
Duschen, waschen, dann riefen wir wieder an. Sie kommt gleich. Allerdings kam niemand. Wir telefonierten noch einmal, erreichten aber niemanden. Erst nach längerer Zeit klappte es: Das Auto sei kaputt, aber ihr Freund hole und gleich. Und so war es auch.
Es gab Bier und Nudeln nach Art der Mama dieser Frau (ich bestellte die, die Mama freute sich sehr). Die anderen Gäste verschwanden, doch bevor wir ein schlechtes Gewissen bekamen tauchte eine ganz andere Klientel auf: die Bauern der umliegenden Höfe hatten etwas zu feiern. Es war sehr nett und fröhlich.

Relativ spät wurden wir wieder zu unsrem Quartier hinaufgefahren.
Daten aus dem GPS:
Distanz: 32 km, 2.220 Höhenmeter, 8:40 Stunden

Montag, 17. Juli 2023
Il Tasso del Taburno – Bonea
Beim Aufstehen war vor unsrem Häuschen Frühstück mit Tortem Broten, Kaffee und Kakao gerichtet.


Das Gestrüpp, durch das wir gestern gegangen waren, ersparten wir uns, indem wir über die Straße gingen. Der Weg wurde dadurch etwas anders, aber am Ende kamen wir wieder auf den Track.
Die Wege waren durchwegs gut und wir kamen gut voran. Einmal mussten wir an Kühen vorbei, die Junge hatten. Eine der Mutterkühe sah etwas bedrohlich drein, aber sie blieb friedlich.



Am Nachmittag sahen wir dann erstmals den Vesuv. Wir waren endgültig in Süditalien angelangt!




Der Abstieg war dann wieder recht heiß, aber ohne besondere Schwierigkeiten. Der Weg war alt und aufwendig angelegt. Er führte in vielen Serpentinen ins Tal hinunter.



Während der Pause hatten wir versucht, ein Zimmer in einem Agriturismo zu buchen, aber keine Antwort bekommen. Wir mussten also aufs gerade Wohl hingehen. Unten war es unglaublich heiß, der Wetterbericht hat von über 40 °C gesprochen. Wir hatten unten noch ungefähr 2 Kilometer zu gehen, und es war eine Qual. Besonders schlimm war es für Mimi, denn der Asphalt war noch viel heißer. Immer wieder mussten wir stehenbleiben, wir versuchten, Mimi so zu führen, dass sie in der Wiese gehen musste. Trotzdem hatte sie wenig Freude damit.
Was sollte werden, wenn das Agriturismo geschlossen war, oder Mimi nicht wollte? Unsre Stimmung wurde von Meter zu Meter schlechter!
Als wir beim Agriturismo L’Oasi del Taburno di Martino Caterina ankamen, spielten dort sehr viele Kinder mit einem Schlauch. Mimi genoss den nassen Boden. Und wir waren willkommen! Leider gab es an diesem Abend keine Küche, aber die freundliche Besitzerin und ihre Tochter brachten uns Wein und eine (riesige) kalte Platte, die wir am Zimmer aßen. Es wurde eine der angenehmsten Übernachtungen am Weg! Und irgendwie wllten die dann auch kein geld für das ganze Essen! Danke vielmals!

Daten aus dem GPS:
Distanz: 23 km, 800 Höhenmeter, 6:20 Stunden

Dienstag, 18. Juli 2023
Bonea – Rifugio Acqua delle Vene


Frühstück gab es um 6:45 in einer Tankstelle in der Nähe. Hat sehr gut geklappt. Dann ging es beinahe endlos über Straßen, von Montesarchio nach San Martino Valle Caudina. Zwei Stunden lang auf Straßen, die zweite Stunde genau geradeaus.
San Martino Valle Caudina kauften wir ein, denn das Refugio am Abend würde unbewirtschaftet sein. Wir kauften wie immer unabhängig von einander, denn Mimi durfte natürlich nicht ins Lebensmittelgeschäft.
Inzwischen war es neun Uhr geworden, es wurde heiß. Bei einer Apotheke im Schatten zeigte das Thermometer bereits 32 °C.
Aus der Straße wurde bald ein Pfad. Früher musste das einmal eine Straße gewesen sein, man sah die üblichen Randsteine , aber sie war total zugewachsen. Einmal lag ein riesiger Baum mit all seinen Ästen quer über dem Weg. Farne und Brombeeren (wir begannen langsam, die zu hassen) machten den Weg unangenehm.
Knapp vor dem unbewirtschafteten Refugio Mafariello wurde der Weg wieder besser, wir kamen auf eine Forststraße. Beim refugio rasteten wir. Es gab Bänke und eine große Picknickarea. Während wir rasteten kamen Waldarbeiter, die einen Schlüssel zum Refugio hatten. Sie kannten den Sentiero Italia und schenkten uns eine DVD und ein kleines Glas Honig. Wir freuten uns sehr, obwohl der Honig schwer war.
Nach dem Refugio wurde es unangenehm steil. Der Weg war schlecht, wir kamen aber trotzdem gut voran. Erst zwei Kilometer vor dem Rifugio Acqua delle Vene kamen wir wieder auf eine Straße.

Das Rafugio war eine kleine Blockhütte inmitten einer Picknickarea. Es wurde gegrillt und es war ein ziemlicher Zugang. Übernachten konnte man im Refugio nicht, es gab auch nichts zu Essen, wir mussten im Zelt schlafen und essen, was wir mitgenommen hatten.


Daten aus dem GPS:
Distanz: 22 km, 1.320 Höhenmeter, 6:33 Stunden

Mittwoch, 19. Juli 2023
Rifugio Acqua delle Vene – Santuario di Montevergine
Es war unsre erste Nacht im Zellt, und wider allen Erwartungen hatten wir gut geschlafen. Kaffee für Lisi gab es keinen, und das Frühstück war etwas spartanisch, aber das konnte unsre gute Laune nicht bremsen.

Der Weg führte, wenig abwechslungsreich, erst über Forststraßen, dann durch den Hainbuchenwald zum Kloster Montevergine.
Das Kloster ist ein Wallfahrtsort. Es waren relativ viele Leute dort und es gab auch etwas zu Trinken.




Vom Kloster hinunter führte eine tolle Straße, auf der viel Verkehr herrschte, aber auch eine etwas abenteuerliche Standseilbahn. Wir beschlossen, nicht in die Hitze hinunter zu gehen, sondern die Standseilbahn zu benutzen. Wir fürchteten uns zwar ein wenig, aber wir kamen gut unten an.



Im prinzip war die Entscheidung gut, unten war es abartig heiß. Leider führte die Bahn nicht nach Avellino, sondern nur nach Mercogliano. Wir mussten dann noch vier Kilometer nach Avellino gehen, denn Busse fanden wir keine. Es war sehr heiß, der Wetterbericht hatte 42 °C angekündigt, und die Straßen waren alles andere als angenehm, die Gehsteige schmal und Mimi hatte wieder große Probleme mit der Hitze an den Pfoten.
In Avellino aßen jeder ein Tablett mit Früchten und tranken Orangade dazu.

Weil die nächste Etappe sehr nieder und großteils über Straßen oder Wege, die als „sehr schlecht“ bezeichnet waren gehen sollte, beschlossen wir, mit dem Zug nach Serino weiterzufahren. Wir mussten also auf den Bahnhof. Dazu namen wir einen Bus, leider aber den Falschen. Wir fuhren vom Bahnhof weg. Kein Problem, denn wir hatten noch viel Zeit, um zum Zug zu kommen. Wir würden also eine Runde fahren.
Ein Irrtum, wie sich herausstellte, als wir, freundlich, aber entschieden, aus dem Bus komplimentiert wurden: Der Bus fuhr „irgendwo“ nicht weiter. Es dauerte ewig, bis ein anderer kam. Und auch der brachte uns nicht zum Bahnhof, der weit außerhalb lag. Wir mussten noch einmal umsteigen.
Am Bahnhof stellte sich heraus, dass die Zugstrecke unterbrochen war, und der angepeilte Zug nicht fahren würde. Stattdessen gab es eine Stunde später Schienenersatzverkehr. Alle bars waren geschlossen, und es war immer noch relativ warm, Wasser war aus.
Am Ende fuhren wir dann doch noch mit dem Bus die acht Kilometer nach Serino. Dort fanden wir ein Hotel. Die Klimaanlage funktionierte nicht, entsprechend heiß war es im Zimmer. Doch, wie man so sagt: „Einem Ingenieur ist nichts zu schwör!“ Ich fand die Sicherung, die herausgedreht war, und wir hatten ein annehmbar kühles Zimmer.
Obwohl die Wanderung wirklich kurz war, waren wir rechtschaffen müde, Avellino hatte und viel Kraft gekostet! Wir genossen das Abendessen auf dier Hotelterrasse. Langsam wurde es dunkel, und damit sogar beinahe kühl.


Daten aus dem GPS:
Distanz: 15,5 km, 651 Höhenmeter, 4 Stunden

Mittwoch, 19. Juli 2023
Serino – Rifugio Verteglia
Zum Glück hatten wir auf besonders frühem Frühstück bestanden, wir waren schon ab 7:30 auf dem Weg. Es war also noch einigermaßen kühl. Gleich hinter Serino führte der Weg, anfangs über eine Straße, am Ende auf Trampelfladen, steil hinauf auf einen Höhenzug.





Der Höhenzug ist etwas ausgesetzt, aber landschaftlich schön. Wir fanden dort auch viele schöne Blumen. Bisher habe ich noch nie Blumenbilder gepostet, und das ist eigentlich ein Unrecht, es gab überall schöne Blumen, insbesondere die Feuerlilien erfreuten uns immer wieder! Ich will es hier nachholen.



An diesem Tag kamen wir auf mehrere Gipfel, die Gipfelkreuze hatten. Die Temperatur auf ungefähr 1.800 Meter Höhe war sehr angenehm.



Im Abstieg waren die Wege etwas besser. Als wir beim Refugio ankamen, waren dort überall Pfadfinder, das Refugio selbst war leer, und das, obwohl wir uns angekündigt hatten. Wir hatten uns darauf verlassen, hier bewirtet zu werden, und – von etwas Notproviant einmal abgesehen – hatten wir nichts zum Essen. Wir waren also in Schwierigkeiten. Irgendjemand sagte uns, es gäbe ein Gasthaus in der Nähe. Wir wanderten dorthin. Es war das Ristorante Hotel La Faja. Auch dort gab es kein Bett für uns, eigentlich war bereits seit Mittag geschlossen. Wir waren sehr frustriert, kauften aber Eis, denn das gab es noch.
Unsre Frustration musste uns anzusehen gewesen sein, denn der Chef ging in die Küche und richtete uns zwei riesige belegte Brote, für verhältnismäßig wenig Geld. Da saßen wir also, und aßen Brote, tranken ein Wasser und waren wieder mit der Welt versöhnt, denn schlafen würden wir in der Nähe des Refugio können.

Satt gingen wir zum Refugio zurück. Kaum waren wir dort, kam eine Frau auf uns zu. Sie hätte uns erwartet, sie hätte zwar kein Zimmer für uns, wir könnten aber unser Zelt in der Nähe aufschlagen, um acht Uhr gäbe es Abendessen. Sie zeigte uns das Warmwasser für die Brause, die Toiletten und wo wir unsre elektronischen Geräte laden konnten.

Wir stellten unser Zelt auf, dann kam der Mann dieser Frau, der etwas Deutsch konnte, und unterhielt sich mit uns. Die Tochter, ein kleines Mädchen, war etwas scheu.
Das Essen war einfach, aber sehr gut. Der Wein schmeckte uns auch, unsre Gastgeber waren fröhlich, genau wie wir. Und dann, als es bereits dunnkel war, kam der Fuchs aus dem Wald, der Freund der Tochter.



Daten aus dem GPS:
Distanz: 21,5 km, 1.813 Höhenmeter, 8:30 Stunden

Mittwoch, 19. Juli 2023
Rifugio Verteglia – Acerno
In der Früh, nach dem Frühstück, verabschiedeten wir uns noch einmal von unsren Gastgebern. Wir hatten gute Wege. Einmal kamen und viele Kühe entgegen. Dann wurden die Wege wieder schlechter.

In einem Tal gab es einen bach, den ließ sich Mimi natürlich nicht entgehen! Einmal mussten wir über Stiegen hinaufsteigen. Oben war eine Grotte, die wir aber nicht besichtigt haben, denn die Strecke war weit, und es wurde wieder heißer.

Natürlich waren die Wege dann wieder weniger toll, unsre Lieblinge, die Farne, die einem die Sicht auf den Boden nehmen, und die Ranken der Brombeeren, die unter den Blättern der Farne von einer Wegseite zur anderen gespannt waren, machten uns wieder Freude. Einige Zeit wurden wir von einer Schar bellender Hunde begleitet. Sie bellten, hielten aber Abstand.

Am Ende kamen wir wieder sehr tief hinunter. Mimi wollte nicht mehr gehen, denn ihre Pfoten überhitzten. Wir waren schon recht erschöpft, als wir in Acerno ankamen.
In Acerno gab es ein Hotel, aber die wollten uns frühestens um 20 Uhr, so genau hatten wir das aber nicht verstanden. Es war unglaublich heiß, wir hatten bereits ungefähr dreißig Kilometer in den Beinen und hatten keine Lust mehr. Google zeigte uns noch eine Pension, aber als wir dort waren, war dort einfach nichts. Wir waren enttäuscht und frustriert.
Am Ende nahm uns das Hotel doch. Wir aßen im Restaurant des Hotels.
Irgendwie waren wir an einem toten Punkt angekommen: Es wurde immer heißer, Mimis Pfoten kamen mit dem heißen Boden nicht mehr klar. Für die nächsten Tage war zudem noch eine Hitzewelle angesagt. Nicht, dass es nicht ohnehin schon heiß genug gewesen wäre. Wir beschlossen daher, abzubrechen und am folgenden Tag nur noch zur Küste hinunter zu gehen.
Daten aus dem GPS:
Distanz: 33,8 km, 1.410 Höhenmeter, 9:20 Stunden

Mittwoch, 19. Juli 2023
Acerno – Montecorvino Rovella
Im Hotel hätte es erst sehr spät Frühstück gegeben, daher hatten wir unser Zimmer ohne Frühstück gemietet. Wir wollten an einer Bar frühstücken.
Wir genossen den Kuchen, den Kaffe und den Kakao. Beim Bezahlen stelle sich heraus, dass ich meine Geldtasche in der „Abendhose“ gelassen hatte, denn ich hatte das Geld nicht im Rucksack. Ich wollte den Rucksack nicht in der Bar umpacken, daher bezahlte Lisi.

Angangs war der Weg ganz in Ordnung, wir konnten auf die Küstenebene hinunter sehen und kamen flott vom Fleck. Dann wurde er schlechter.
Mitten in einem der berühmten Farn – Brombeerdickichts kam ein Anruf von einer italienischen Nummer. Wir nahmen an, dass es die Zimmerwirtin in Salerno war. Ich nahm das Gespräch nicht an, weil wir mitten im Dickicht waren, und weil ich auf italienisch ohnehin nicht hätte telefonieren können.
Irgendwie hatte ich ein schlechtes Gefühl. Als wir aus dem Gestrüpp heraußen waren, rief ich zurück. Am telefon war ein Carabinieri-Offizier. Meine Geldtasche sei bei ihnen abgegeben geworden, wir könnten sie am Posten in Acerno abholen. Wir waren zu dem Zeitpunkt bereits drei Stunden gegangen. Wir wähnten uns bereits nahe am Ziel und hatten wenig Lust dazu, wieder zurückzugehen, zumal es bereits sehr heiß war. Die Komunikation war schwierig, weil der Empfang mehr als nur mäßig war. Wir einigten uns, dass wir unten, im Ort, noch einmal telefonieren würden.
Tatsächlich war Montecorvino Rovella nur noch einen guten Katzensprung entfernt. Allerdings gab es überhaupt keinen Weg mehr, und zwischen dem Ort und uns lag ein Steinbruch. Wir folgten dem GPS-Track, es war nicht immer ganz ungefährlich. Zu den Brombeeren gesellten sich andere Pflanzen, die noch unangenehmere Stacheln hatten, und ebenfalls lange Ausläufer, an denen man hängenbleiben konnte. Natürlich wurde es auch noch heißer, als bisher, wir waren fick und fertig, als wir zwei Stunden später unten ankamen. Erschöpft ließen wir uns in eine Gelatteria fallen.
In Montecorvino Rovella war der Empfang wieder gut, das Gespräch mit dem Carabinieri war einfacher. Sei Kollege würde kommen und uns die Geldtasche bringen. Wir mussten nur warten. Es dauerte eine kleine Ewigkeit, aber dann kam ein Mann in Zivil auf einem Motorrad. Er wies sich als Cosimo, Carabinieri (außer Dienst, wie er betonte) aus und gab mir die Geldtasche. Wir wollten ihm Benzingeld geben, das lehnte er aber ab, er wollte möglichst schnell wieder nach Acerno hinauf kommen.
Wir sind den Carabinieri extrem dankbar. Der Mann ist in seiner Freizeit eine gute halbe Stunde, oder 18 Kilometer gefahren, um uns die Geldtasche zu bringen, und er hatte noch einmal so weit, um nach Hause zu kommen.
Kurz später saßen wir im Bus nach Battipaglia. Dort stiegen wir in einen anderen Bus nach Salerno um.
Salerno traf uns nach 18 Tagen in freier Natur wie ein Hammer. Er war heiß, schwül, laut und überfüllt. Wir kauften Hundefutter und Reiseproviant, endlich, ohne auf das Gewicht achten zu müssen. Am Abend aßen wir in einer Pizzaria, die zwar am Hafen lag, aber vorwiegend von Einheimischen besucht wurde. Die Pizze waren gut.
Daten aus dem GPS:
Distanz: 14,7 km, 470 Höhenmeter, 5:15 Stunden

Resümee
Es wurde nichts aus unsrer großen Wanderung. Wie in vergangenen Jahr, so waren wir auch dieses Jahr am Wetter gescheitert. Vergangeges Jahr war das Problem der Regen, diesmal die Hitze, die für „Barfußgeher“, also für Mimi, unerträglich war.

Mimi stürzte sich zwar in jeden Brunnen, in jeden Bach oder Tümpel, aber abends, wenn wir tiefer hinunter kamen, war es für sie unerträglich.
Für uns war die Hitze eher eine Lästigkeit. Oben, auf den Bergen, war sie kaum zu spühren, nur abends, wenn wir in die Täler kamen, wurde sie uns mühsam. Aber wenn die Luft 40 °C hat, hat der Asphalt mindestens 60. Wir konnten es nicht verantworten, weiterzugehen. Mimi hatte auch so noch ein paar Wochen Probleme beim gehen.
Der Weg ansich ist toll. Die Landschaft ist wunderschön und vollkommen leer. Wir haben in den Tagen keinen einzigen anderen Wanderer getroffen, allenfalls Bauern oder Hirten, die abseits der Dörfer arbeiteten. Wir können diese Wanderung nur empfehlen. Die ideale zeit wäre vermutlich im Mai/Juni, wenn das Wetter schon einigermaßen stabil, aber die Hitze auch in tiefen Lagen noch erträglich ist.
Ein eigenes Kapitel ist der Zustand der Wege. Wir halten uns für gute Geher, und wer unser Blog kennt, der weiß, dass wir durchaus auch längere Strecken bewältigen können. Aber hier trafen wir teilweise auf Wege, die zwar großteils markiert waren, aber schlichtweg nicht existierten. Und so war der Schnitt, mit dem wir gegangen sind, doch weit unter dem Normalen. Wir sind nur einmal knapp über 30 Kilometer weit gekommen, von den üblichen 35-40 nicht zu reden. Zimperlich darf man nicht sein, unsre Schienbeine waren ständig von den Brombeeren zerkratzt.
Ein anderes Kapitel ist GSM. Bei unsren Wanderungen durch die Türkei und Tschechien, Polen und Slowakei hatten wir mit ganz kurzen Ausnahmen überall Empfang. In Italien war das ganz anders. Wir sind oft stundenlang ohne gegangen. Vielleicht wäre es sinnvoll gewesen, wieder ein Abo für unsren Spot, unser Satellitenalarmierungssystem, abzuschließen. Die Gegend ist teilweise sehr gebirgig und die Wege so schlecht, dass man durchaus in Notsituationen kommen kann.
Trotz alledem war es ein tolles Erlebnis. Die Leute waren freundlich, wir hatten nie Probleme mit Mimi, unsrem Hund, sie war überall willkommen und es hat nie Diskussionen gegeben, ob sie ins Zimmer darf, oder nicht. Natürlich ist Mimi ein süßer Hund, zottelig, wie sie ist, mit ihren weißen Pfoten. Sie ist auch gerade noch ein „kleiner Hund“, und sie liebt Menschen. Das mag durchaus hilfreich gewesen sein.
Wir wollten so selten wie möglich im Zelt schlafen. Campieren ist einfach nicht so unsere Leidenschaft. Wir wissen natürlich nicht, wie es im August ist, wenn alle Italiener gleichzeitig Ferien machen, aber im Juli hatten wir wenig Probleme, Zimmer zu finden.

Vielleicht gehen wir ja einmal den teil, den wir diesmal nicht geschafft hatten!
Insgesamt war es eine sehr kurze Wanderung. 380 km, 15.153 Höhenmeter hinauf und 13.892 hinunter. Trotzdem war sie, gerade auch auf Grund der Wegbeschaffenheit, eine Anstrengende. Ich denke, wir werden später einmal den fehlenden Weg von Acerno nach Reggio gehen.

